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Livestream Lesemarathon “Tugend & Laster”

September 3, 2010 by dorette  
Filed under Lesung

Der Lesemarathon “Tugend und Laster”, organisiert u.a. von der Literarischen Gesellschaft Bochum, den Journalisten Werner Streletz, Tom Thelen und Carsten Marc Pfeffer, dem Buchhändler Johannes Fischer sowie dem Dozenten der Ruhr-Uni Markus Tillmann, wird vom 3.-10.9.2010 24 Stunden rund um die Uhr live gestreamt. Am 3. um 20 Uhr beginnt die Übertragung.

Gewöhnliche Lesungen dauern eine, maximal zwei Stunden. Im September wird in der Villa Marckhoff jedoch ein Lesung veranstaltet, die die normale Leselänge um einige Stunden übertrifft. Mit insgesamt 168 Stunden organisiert die Literarische Gesellschaft Bochum eine Non-Stop-Lesung, zum Thema Tugend und Laster.

Unter dem Motto „Tugend und Laster“ steht der Lesemarathon, der vom 3. bis zum 10. September 2010 in Bochum stattfinden wird. In Blöcken, zwischen 30 bis 60 Minuten, lesen Literaturfans, Hobbyleser, professionelle Literaturanbieter, A-, B-, C- oder Nullprominente Bücher, die bereits veröffentlicht worden sind. Und das rund um die Uhr, 24 Stunden an jedem Tag in dieser Woche.

Jeder kann “mitlesen”
Wer beim Lesemarathon vortragen möchte, konnte sich bei der Literarischen Gesellschaft Bochum melden. Die Bücher sollten aus der Antike oder der Gegenwart stammen und müssen nicht deutschsprachig sein, sie müssen nur ins Thema passen.

Ein Bühnenbild wird die Lesungen begleiten. Prominente Leser sind unter anderem Bundestagspräsident Norbert Lammert und Schauspieler Joachim Hermann Luger.

Lesemarathon „Tugend und Laster“
3.-10. September 2010
Villa Marckhoff
Kortumstraße 147
44787 Bochum

(Quelle: www.bochum-2010.de)
(Artikelfoto von S. Hofschlaeger / pixelio.de)

Meine kleine Reise

August 29, 2010 by britta  
Filed under Elles Geschichten, Wortspiel

Meine kleine Reise

Beim Einsteigen in Hamburg begleitet mich klassische Musik. Schick. Die obligatorische 0,5 Liter Flasche Evian, die „Zeit“ von gestern und ich nehmen, im Großraumwagen Platz. Vierer mit Tisch. Gegenüber: Eine blonde Mami (Typ Stephanie zu Guttenberg mit Polo, Halstuch und verhältnismäßig lässigen, selbstverständlich strahlend weißen Tods-Loafers) mit Luisa (ebenfalls blond, ca. 5 Jahre alt, goldene Pony-Ohrhänger statt Schokomund). Neben mir: Luis, der ältere Bruder, ca. 7. Das strohblonde Haar zum hellblauen Hemd erinnert an Astrids Michel – das ist aber auch alles. Statt einer Suppenschüssel auf dem Kopf trägt Luis Lacoste-Schuhe an den Füßen und anstelle von Bubenstreichen, beschäftigt er sich mit Sudokus und Geo-Heften. Luisa malt. Ihr Pony, was sonst?! Mama guckt aus dem Fenster, wenn sie für die Kleinen nicht gerade Bionade oder Bärlauch-Kresse-Dinkelbrot aus der aktuellen Louis Vuitton „zaubert“. So geht Multitasking, hat sie in der Brigitte gelesen. Nächster Halt: Bremen. „Wenn ihr Glück habt, holt Omi uns mit dem neuen Touareg ab,“ höre ich nur noch, dann verschwindet die Familie „Perfect“ ohne den, sich opfernden, auch am Wochenende furchtbar beschäftigten Ehemann und Papa, aus dem Abteil.

Ein Typ mit fettigen Haaren und Army-Rucksack setzt sich auf den Guttenberg-Platz. Er klappt seinen Laptop auf und guckt wahlweise Pornos oder primitive Comedy à la „American Pie“. Ich sehe nicht, was er sieht, aber das dreckige Grunzen aus seinem postpubertären Macho-Gesicht streift, wie eine Windböe, regelmäßig mein Gesicht – begleitet von einer Fahne aus Aldi-Mezzo Mix und billigem Whiskey. „Soldaten brauchen das. War bestimmt ’ne harte Woche“, denke ich.

Kurz vor Münster werden Pornos und Pfandflasche wieder verstaut – schließlich wartet Claudia am Bahnhof, die Freundin. Als hätte ich nicht schon gewusst, dass unser ICE-James Ryan seiner 21-Jährigen, werdenden Friseurin (oder sagt man Friseuse?) mit Vo-Ku-Hi-La- Haarschnitt und Speckrollen über der Hüftjeans nicht treu ist, musste er es kurz nach Osnabrück noch knallhart seinem Kollegen Thorsten am Handy erzählen. Thorsten ist übrigens Feuerwehrmann in Bielefeld und kann auf Grund seiner Nachtschicht am Wochenende nicht mit den anderen „löten gehen“. Schade, Thorsten. Ach so, und schade, Claudia – wo wir schon mal beim Mitleid sind.

Aber Halt: Mitleid? Warum eigentlich? Die Jungs wirken doch ganz zufrieden mit ihrem Mezzo-Mix-Mix und Claudia würde wohl kaum ihren Hello-Kitty-Corsa aus der suburbanen Neubausiedlung zum Bahnhof in der Stadt bewegen, wenn sie sich nicht freuen würde. Bin ich zu kritisch oder gar zu wenig empathisch? Für letzteres hatte ich mich eigentlich immer gehalten. Nach einem kurzen Jeder-freut-sich-auf-seine-Weise-Anfall ärgere ich mich noch kurz über den beschissen hohen Lohn, den Berufssoldaten bei Auto Teile Unger und New Yorker lassen. Aber was weiß ich schon!

Als wir Münster verlassen ist der Ärger vergessen – wie immer. Ich bin Egoist. Jetzt kommt nur noch eine Station und dann würde ich schon da sein. Etwa zehn Minuten vor Dortmund verschwinde ich auf das nächste, am wenigsten übel riechende Klokabuff. Ich wehre mich gegen Rituale, aber das mache ich immer so. Schließlich war ich um acht aufgestanden, hatte hektisch geduscht und meinen Koffer gepackt (wer weiß donnerstags abends schon, nach welcher Art Look das Prä-Wochenendsempfinden verlangt), war zur U-Bahn gehetzt, verschwitzt bei der Arbeit angekommen, hatte wegen des vorgezogenen Feierabend-und-Zug-erwischen-Abgangs sieben Stunden unter Strom funktioniert und war dann wieder verschwitzt am Bahnhof angekommen, um festzustellen, dass der ICE 10 Minuten Verspätung hatte. Ein guter Freitag. Alle Verzögerungen, die unter 15 Minuten blieben, nutze ich effizient mit Evian-Zeitungskauf und Zigarette. Jede weitere Minute löste nicht nur Stressgefühle und Hektikflecken, sondern vielmehr eine Form von Menschenhass in mir aus, die auch „der arme dicke Mann hat vielleicht kranke Kinder zu Hause“- Gedanken nicht besser machen konnten – sondern allerhöchstens, wenn man denn bedient wird und das Bier kalt ist, der Speisewagen.

Egal, jetzt war ich kurz vor Dortmund und balancierte auf der mit Papier ausgelegten Love-Parade für eklige Bakterien, dem ICE-Klo – mit Pumps, Rouge und Lipgloss. Je näher sich mein Sitzplatz in den wöchentlichen fast drei Stunden Fahrt am Boardrestaurant befindet, desto schöner finde ich mich nach dem Ausflug in die unglamouröse Deutsche-Bahn-Version der „Zauberkugel“. Zumindest habe ich mich beim Rausgehen nicht in ein bayrisches Cowgirl namens Nicki verwandelt. Kurz nach dem Dortmunder Hauptbahnhof hiefen meine viel beobachteten High Heels und ich den Koffer, sowie mehrere Jutebeutel (Ja, Jute! Aber natürlich mit cooler Aufschrift: Adidas, I love Karl und so… irgendwo muss ich ja schließlich die Schuhe unterbringen) von der Ablage runter und stöckeln aufgeregt, aber sicher Richtung Tür. Dass ich mich dabei wie eine Pilgerin auf ihrer ersten ICE-Fahrt von Höxta nach München fühle, die hektisch die rote Jack Wolfskin-Jacke über den kessen Kurzhaarschnitt und den fetten Arsch in der unvorteilhaften Neunziger-Kordhose wirft, und alle entspannten Fahrer mit Alnatura-Eigeruch und abartig freundlicher, langweiliger Geschwätzigkeit in den Wahnsinn treibt, weil sie sich pseudoenergisch eine gefühlte Ewigkeit vor dem nächsten Bahnhof, also ihrem Zielbahnhof, in die Front-Row der ICE-Tür bringt, ist mir egal. Dann ich verhalte ich mich halt wie eine spießige Hässliche ohne Stilgefühl – Hauptsache in sehe NIE so aus!

In Bochum steigen verhältnismäßig wenige Fahrgäste aus. Und am Anfang habe ich mir über die „Was willst DU denn in Bochum?“-Blicke (Hallo? High Heels, Prada-Tasche und so…) den ein- oder anderen Gedanken gemacht. Ein Mal habe ich sogar überlegt dem Lackaffen im „La Martina“-Hemd (aus der vorletzten Saison, wahrscheinlich Schlussverkauf), der mich „voll stilvoll“ in den Düsseldorfer Eliteclub mitnehmen wollte, in einem intelligenten Monolog, den ich seit Münster in meinem Kopf hatte reifen lassen, zu erzählen, dass sich die Leute in MEINER Stadt wenigstens auf mich freuten und sich nicht nur auf coole Anglizismen auf der noch cooler designten Visitenkarte einen runterholten. Aber das hätten er und sein „total berühmter“ Black-DJ-Freund ja doch nicht verstanden. Müssen sie auch nicht! Überhaupt weiß ich nicht, ob irgendein Mensch jemals verstehen wird, wie ich mich in diesem „der-Zug-bremst-und-wir-sind-gleich-in-Bochum“-Moment fühle. Es hat lange genug gedauert, bis ich das selbst verstanden hatte. Und das war wichtig. Schließlich ist das MEIN Gefühl! Mein ganz eigenes – ausschließlich entstanden und gewachsen durch MEINE Erlebnisse hier. Mal ehrlich, der Bochumer Bahnhof ist weder architektonisch, noch historisch attraktiv, einprägsam, bewegend. Aber er ist es für mich, weil ich meine Emotionen in ihm lese und die Erinnerungen mich bei ihm immer wieder packen. Plötzlich sind da Schmetterlinge im Bauch, wenn der Zug am Gleis einrollt, dann folgt Ungeduld, wenn ich die Treppe zur Halle hinab gehe und am Ende meines Ankommens das unbeschreibliche Glücksgefühl, als ich die automatische Glastür zum Vorplatz passiere, um meine erleichternde „endlich-da“- Zigarette zu rauchen. Dann steht die Zeit für mich einen Augendblick still.

Und obwohl ich auf dem selben Bahnhof, mit dem selben Bahnsteig, wahrscheinlich neuen Bierpfützen, aber der selben Treppe montags morgens um sechs Abscheu, Ungerechtigkeit und Traurigkeit empfinde, weil er es ist, der meinen Abschied symbolisiert, empfängt er mich jedes verdammte Mal wieder mit reinem Herzen. Er erinnert mich daran, ja mahnt mich sogar, wie kurz die Zeit hier sein wird – flüstert mir beim Gehen aber gleichermaßen zu, dass ich jederzeit willkommen bin. Und ich glaube ihm. Wenn ich freitags um 21:46 Uhr nach einer harten Arbeitswoche aus Hamburg anreise genauso wie nach einer 2-stündigen Wartezeit (ungeplant und in offenen High Heels und Rock liegend auf der Bahnhofsbank wartend) am Kölner Hauptbahnhof, samstags früh um 2:03 Uhr. Er ist immer für mich da!

Ich war viel unterwegs. Auf nahezu allen Schnellzugstrecken in Deutschland. Und eines habe ich gelernt: Ein Bahnhof ist immer nur das, was die Menschen, die einen dahinter erwarten aus ihm machen. Der eine austauschbar, aber aufregend, weil man durch ihn ein Wochenende mit Freunden erreicht, die man lange nicht gesehen hat. Der andere, der kleine Dorfbahnhof ist die Heimat, die zwar immer bleibt, sich aber nie für seine Anerkennung anstrengen musste, seine Rückkehrer vielmehr aus logischen, automatischen Zusammenhängen berührt. Und dann ist da noch der Bahnhof, der das Herz seines Besuchers plötzlich zum Springen bringt, wenn er seinen Namen auf dem dunkelblauen Schild liest. Der eine Ort, der einem etwas Neues beigebracht, einen geprägt hat und dauerhaft reifen lässt – und der mit seinen schonungslosen, stechenden, wirkungsvollen Fragen einfach alles verändert. Einen, der es durch seine Menschen geschafft hat, dass man ihn bedingungslos liebt! Als Bahnhof, Station, Bühne, Heimat – für immer!

Danke Bochum. Danke Ebstein. Danke M.

Lesung im Rahmen der LocalHero-Woche in Bochum

Juli 20, 2010 by britta  
Filed under FKT, Kunst, Lesung, Wortspiel

Da lassen wir uns doch nicht 2x bitten. Danke für den schönen Tag im FKT.

3. Slamnation am 8.5. im ebstein

Mai 26, 2010 by admin  
Filed under Slamnation, Wortspiel

Es war wieder soweit. Spannende, witzige, unterhaltsame Wortakrobaten redeten sich beim 3. Slamnation um die Wette.
Wir waren live auf Sendung und haben den Poetry Slam gestreamt.
Hier könnt ihr euch den Abend noch einmal anschauen. Viel Spaß!






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